Rezensionen
By Sarah Jäckel / Februar 12, 2026 / Keine Kommentare
Rezensionen
„Zur Deutsch-Deutschen Geschichte wurde viel geschrieben, gesagt, geredet und zerredet, manchmal zu viel. Oft hatte ich den Eindruck, dieses Kapitel sei mehr als auserzählt.
Bis ich dieses Buch las.
Für mich als Westlerin ist ZERRISSEN nicht weniger als ein Augenöffner. Und zwar nicht in Bezug auf die Unterschiede sondern die Gemeinsamkeiten. Die Jugend des nahezu gleichaltrigen Autors unterscheidet sich nur unwesentlich von meiner. Träume und Realitäten, Zwänge, Nöte, kleine Fluchten, Alltag und Urlaub – auch wir sind mit dem Zelt auf dem Dach eines alten Opels in den Süden gefahren. War es für mich als Kind wichtig ob der Sand sozialistisch oder kapitalistisch war? Sicher nicht. Später: Indoktrination – nun, die gab es bei uns auch, im Westen, auf dem Gymnasium. Und zwar reichlich. Geheimdienste, Verstrickungen, Zwänge, sich dem System unterzuordnen, anzupassen oder in höchste Not zu geraten – hüben wie drüben. Eine ungefilterte, unverblümte und unverbrämte „Ost-Sichtweise“ ist für mich der Hauptgewinn aus dem Buch. Endlich einer, der weder eine Abrechnung mit der ach-so-bösen DDR noch eine verkitschte Ost-Nostalgie zelebriert. Sondern unsere beiden und nun ein Land so beschreibt, wie er sie erlebt hat. Schonungslos, auch und vor allem sich selbst gegenüber. Und damit auch ein Blick auf „meinen“ Westen, den ich nicht nur nachvollziehen sondern auch durchaus teilen kann. Denn das System, das ohne Fehler ist, möge die erste Cola-Dose werfen.
Als Bonus eine komplette Stasi-Akte. Etwas, über das ich tausendmal gelesen und doch nie eine gesehen habe. Die Banalität dieser Akte hat mich gleichermaßen erschrocken und amüsiert, die Absurdidät, dass sich hier Stasi-Mitarbeiter gegenseitig völlig bedeutungslose Informationen übereinander konspirativ zuschoben ohne voneinander zu wissen, ist kaum zu überbieten.
Das Buch spiegelt ein Leben völlig anders als meins und doch so nahe dran, eine schwule Selbstfindung ohne jeden Coming-Out-Kitsch obendrauf. Überhaupt: ich habe selten ein deutsches Buch gelesen, dass so unprätentiös und ohne Geschichtsklitterung, ohne Verbrämung, Rechtfertigung und Vorwürfe auskommt.
Chapeau – ich freue mich ungemein auf den nächsten Band. Denn hier möchte ich wirklich wissen, was aus dem „Jungen mit den Segelohren“ wurde.“
S.J.
München
„Welch erstaunlichen Schatz an Erinnerungen an früheste Tage Deines Lebens und Details dazu Du öffnest und wie lebhaft und nachvollziehbar das geschieht, ist beeindruckend und bewirkt einen Sog von Seite zu Seite, den man schwer unterbrechen kann. Aber die Dichte und Stringenz der Sprache und Handlung lässt für mich das Lesen nur in kürzeren Abschnitten zu, was wohl an meinem Alter liegt. Ich bin zwar wesentlich früher geboren, aber manche der Umstände, die Du beschreibst, habe ich in der unmittelbaren Nachkriegszeit auch auf unserer Seite des trennenden Streifens ähnlich erlebt und gesehen. Hier hatten die Altnazis noch längere Zeit erhebliche Macht mit entsprechenden Auswirkungen für uns Kinder beziehungsweise Jugendliche. Es wird sicherlich einige Zeit dauern, mich durch Dein Buch zu pflügen, zumal ich überschlagsweise noch einiges an Erstaunen und Dramatik zu lesen bekommen werde. Ich werde mich bemühen, bis zum Ende vorzudringen, weil es mein Interesse geweckt hat. Dein Leben, so fundamental konträr zu meinem. Ich wünsche Dir viel Erfolg für dieses Buch und für die geplanten Fortsetzungen.
Eine Herkulesaufgabe.“
H.J.
Landshut/Ndb.
„So viele Sachen sind wieder präsent. Dein Buch beamt mich in meine eigene Kindheit zurück. Ganz viele Gedanken schießen durch meinen Kopf. Und so schaffe ich auch immer nur ein paar Seiten, wenn ich lese. Du schreibst sehr interessant, flüssig und anschaulich. Beim Lesen habe ich immer ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Danke, dass Du mir dieses Kopfkino ermöglichst.“
K.F.
Landkreis Vorpommern-Greifswald
„Es ist sehr faszinierend und macht sehr nachdenklich.“
S.K.
Rodewisch im Vogtland
„This book offers a quiet, compelling portrayal of everyday life in the GDR, avoiding both nostalgia and condemnation. With clarity and restraint, it shows how people lived within limits that are difficult to imagine today. Particularly striking is its account of the challenging transition into West Germany, described not as a simple liberation but as a complex and often painful process of loss and reorientation. A brief but vivid excursion into Moscow during the period of upheaval further broadens the perspective. The result is an empathetic, nuanced contribution to historical understanding—one that replaces judgement with insight.”
M.S.
Munich / London
„Dieses Buch ist eines der seltenen Bücher, die man als Mann liest und sofort spürt, dass es einen meint, ohne einen anzusprechen. Beim Lesen hatte ich zum ersten Mal seit Langem das Gefühl, ein Männerbuch in den Händen zu halten – nicht im lauten, behauptenden Sinn, sondern in seiner leisen, verletzlichen Offenheit. Es erzählt von einer weichen Seite männlichen Lebens, eingebettet in eine Welt, die nach außen hin geschlossen und geborgen erschien. Diese Geborgenheit in der DDR wird nicht verklärt, sondern als Teil einer Realität gezeigt, die Schutz bot und zugleich begrenzte. Besonders eindrücklich ist der nüchterne, nicht wertende Blick auf Begegnungen mit der Staatssicherheit. Sie erscheinen weder als Anklage noch als Rechtfertigung, sondern als Erfahrungen, die zum Leben gehörten und es geprägt haben. Gerade diese Zurückhaltung macht den Text glaubwürdig und schwer auszuhalten zugleich. Mit großer Sensibilität beschreibt das Buch zudem einen inneren Weg des Sich-selbst-Näherkommens, ohne ihn zu benennen oder einzuordnen. Es geht um Begehren, um das tastende Erkennen dessen, was man lange nicht aussprechen konnte – und vielleicht nicht einmal durfte. Diese innere Bewegung verwebt sich mit den äußeren Brüchen: dem Leben in der DDR, dem schmerzhaften Übergang in die Bundesrepublik und der verstörenden Erfahrung des Moskaus der Wendezeit. So entsteht das Porträt eines deutschen Mannes, dessen Leben von historischen Umwälzungen zerrissen wird, ohne dass das Persönliche je dahinter verschwindet. Es ist keine Abrechnung, sondern ein wunderschöner und zugleich zutiefst aufwühlender Weg, der in seiner Offenheit manchmal kaum fassbar ist. Ein Buch, das bleibt – gerade, weil es nichts erklärt und nichts glättet.“